Wildtiere
Quelle:
Tierheim Olpe
Wildtiere
sind im Sinne der Rechtsordnung "herrenlose" Tiere, die man aber
keineswegs in Besitz
nehmen darf. Ein Teil von ihnen
zählt zu
den
jagdbaren Arten
(Haarwild wie Reh, Hirsch,
Wildschwein, Hase,
Kaninchen, Fuchs und Federwild
wie Stockenten, Fasane). Diese Tiere
unterliegen dem Jagdrecht, d.h.
nur der für den
Fundbezirk des
Tieres
zuständige "Jagdausübungsberechtigte"
darf
sich die
Tiere aneignen.
Kranke oder verletzte Tiere (z.B.
nach einem Autounfall mit
Haarwild)
müssen deshalb unverzüglich dem Jagdberechtigten
oder
der Polizei, der
eine Liste der jagdlich Zuständigen vorliegt, gemeldet
werden.
Sie
dürfen nicht mitgenommen werden. Dies stellt Wilderei dar. Für
die
übrigen Tiere gilt das Landschaftsgesetz Nordrhein-Westfalen,
speziell
die
Paragrafen,
in denen Naturschutzfragen geregelt
sind. Danach ist es
erlaubt, solche
Wildtiere zur Pflege aufzunehmen, wenn sie
tatsächlich
hilfsbedürftig sind und
danach wieder umgehend in
die Natur
entlassen
werden. Aber das soll an dieser
Stelle bereits
ausdrücklich
betont
werden: Die Pflege
eines Wildtiers ist Spezialistensache!
Wann
benötigt ein Wildtier tatsächlich Hilfe?
Wildtierjunge
werden in den meisten Fällen mitgenommen, weil sie
fälschlich als
hilflos angesehen werden. Hierzu ist wichtig zu wissen:
Säugetierjunge
Im
Gegensatz zu jungen Kaninchen, die blind, taub und nackt in einem Bau
unter der Erde
geboren werden, kommen junge
Hasen voll
behaart und mit offenen Augen
in einer mit Gras
ausgepolsterten Mulde
in einer Wiese oder unter einem Gebüsch
zur
Welt. Sie werden
nur einmal
pro Nacht gesäugt und verbringen den Rest der Zeit
alleine,
bewegungslos wartend in der Mulde. So sind sie gut
getarnt:
Ihre
Färbung stimmt mit der Umgebung überein und weil sie
sich nicht
bewegen, machen sie
keinen Feind auf sich aufmerksam. Auch
Rehmütter
lassen ihre Kitze
gerade in den ersten
Tagen viel
alleine.
Meist liegen die Kitze eingerollt im Dickicht oder hohen
Gras und
warten geduldig auf ihre Mutter. Die Bewegungslosigkeit ist
der beste
Schutz der Jungtiere. Dieses Verhalten ist ihnen angeboren
und so
stark, dass die Tiere selbst in größter Angst, wenn
ein Mensch sich
ihnen nähert, nicht flüchten.
Vogeljunge
Junge
Singvögel, Greife und Eulen sind Nesthocker. Sie verbringen
ihre erste
Lebensphase als
Nestlinge im Nest, wo sie von ihren Eltern
gefüttert
und gewärmt werden.
Noch ehe sie flugfähig
sind,
verlassen sie das
Nest. Jetzt hüpfen die Ästlinge
noch
mehrere Tage auf
dem Boden und in
Büschen herum. Sie werden weiter
von ihren Eltern
gefüttert, lernen es,
sich in ihrer Umgebung zu orientieren und üben sich
in der
Nahrungssuche. Ästlinge machen
mitunter einen recht
hilflosen Eindruck und
wecken somit vielfach das Mitleid von
Spaziergängern, die den "armen"
kleinen Vogel
aufheben und in
der
Annahme, er sei von den Eltern verlassen
worden, mit nach
Hause nehmen.
Spätestens dann ist bei den meisten Findern guter Rat
teuer!
Der kleine
Pflegling muss von morgens bis abends in kurzen Zeitabständen
gefüttert
und eventuell getränkt werden. Was frisst der Vogel
überhaupt?
Wie
kriegt man ihn zum Fressen? Wie bringt man ihn unter?
Egal,
wie viel Mühe Sie sich geben, die Überlebenschancen
bei
künstlicher
Aufzucht sind (ohne umfassende Erfahrung und Kenntnisse) gering.
Anzeichen
für Hilfsbedürftigkeit
Wenn
sie ein Säugetierjunges finden, unterdrücken Sie
unbedingt die Regung,
das Tier hochzunehmen,
um seinen Gesundheitszustand zu
überprüfen.
Egal, wie niedlich es
aussieht, streicheln Sie das Tier nicht!
Für die
Mütter ist der Geruch der Jungen ein ganz wichtiges
Erkennungsmerkmal.
Riecht es nach Mensch, nehmen sie es nicht mehr an. Dies
gilt nicht
für
junge Vögel. Ihre Eltern orientieren sich nicht nach dem
Geruch. Sehen
Sie genau hin: Blutet das Tier? Hält es ein Bein (oder
Flügel)
unnatürlich
(Knochenbruch)?
Sind Nase und / oder
Augen
verklebt? Eine
gefährliche Zeit für die jungen Kitze ist
die, in der
die Landwirte
ihre Wiesen mähen. Es ist nicht jeder Bauer bereit,
die oft
sehr großen
Weiden vor dem Mähen abzugehen und nach abgelegten Kitzen
Ausschau zu
halten. Mancherorts jedoch gehen Jäger mit ihren Hunden (oder
aber auch
Privatpersonen) auf Bitte der Landwirte die zu mähende Wiese
ab, um
somit Kitze (und andere Wildtierjunge, aber auch junge Katzen), vor dem
Tod oder schweren
Verletzungen zu bewahren.
Selbstständige
Jungtiere
und erwachsene Tiere
können Verwundungen haben
(z.B. im
Straßenverkehr
verunglückt), durch Zivilisationsmüll
geschädigt sein (z.B. Igel mit
Pappbecher oder leerer Dose über dem Kopf) oder - vor
allem im
Winter -
durch Futtermangel entkräftet fluchtunfähig am Boden
liegen. Oft werden
auch Igel in den Tierheimen oder beim Tierarzt abgegeben. Hilfebedürftig
sind: Kranke Igel (tagsüber herumliegend oder sich
auffällig verhaltend, apathisch,
mager,
eingefallene Augen), verletzte
Igel (Igel,
die bei Wintereinbruch, d.h.
bei feuchter und kalter
Witterung,
Dauerfrost, Schnee meist bei Tag herumlaufen und
offensichtlich verwaiste
Igelsäuglinge (tagsüber
außerhalb des Nestes, Augen und Ohren geschlossen,
eventuell
unterkühlt).
Verhalten
vor Ort
Wie
der Name sagt, sind Wildtiere Lebewesen. die in der freien Natur
zuhause und an das Leben dort angepasst sind. Damit ist es
zuallererst
eine grundsätzliche Frage, ob es besser ist, ein
Wildtier
aufzunehmen
oder lieber in der Natur zu belassen. Auch Krankheit und Tod
gehören
zum natürlichen Kreislauf. Das Eingreifen des Menschen
ist
vielleicht
aus ethisch-moralischer Sicht zu begrüßen,
auf lange Sicht aber oft nicht zum Besten des Tieres. So
kann ein männliches Rehkitz, das von Menschen aufgezogen wird,
kaum
noch ausgewildert werden. Da es keine Scheu vor Menschen
hat, kann es
passieren, dass ein solches Tier in der Brunftzeit Menschen
als
vermeintliche Rivalen angreift. Und hat man es letztendlich
doch
geschafft, seinen Vogelpflegling bis zur Flugfähigkeit
aufzupäppeln, so
kann man draußen nicht verfolgen, ob er sich auch zurecht
findet oder
den Flug nach Süden schafft. Denn falsche Fütterung
und Haltung verursachen dauerhafte Knochen- und
Gefiederschäden,
die man
oft nicht
auf den ersten Blick sieht. Bitte bedenken Sie in
allen
Fällen:
Gesunden und munteren Tieren schadet man oft mehr mit der
vermeintlichen Hilfe als man ihnen wirklich helfen kann. Viele sterben
an Schock oder sind so gestresst, dass sie physisch und/oder
psychisch
leiden.
- Bei
verletztem jagdbarem Wild oder der Vermutung, dass ein Jungtiereiner
solchen Art verwaist ist, die nächste Försterei oder
die Polizei
anrufen.
- Steckt
ein Igel mit seinem Kopf in einem Becher oder einer Dose, so reicht
es
aus, ihn von seiner falsch gewählten "Kopfbedeckung“
zu befreien.
- Bei dem
Verdacht, dass ein gesund wirkender Jungvogel (Singvogelart)verwaist
ist, beobachten Sie ihn zunächst einige Zeit (bis zu einer
Stunde) aus
größerer Entfernung (mindestens 10 m), ob er nicht
doch gefüttert wird.
- Wenn
der Jungvogel (auch Greifvogel oder Eule) an einer
gefährlichen Stelle
sitzt (Straße), können Sie ihn langsam und
vorsichtig von der Straße
weg scheuchen, oder, wenn er noch keine Scheu vor Menschen hat,
wegtragen und in ein Gebüsch setzen. Vögel erkennen
ihre Jungen nicht
am Geruch, deshalb schaden Sie damit dem Jungtier nicht.
- Bringen
Ihre Kinder einen munteren Jungvogel mit nach Hause, sollten Sie
ihn
daher umgehend zum Fundort zurück bringen und beobachten, ob
die Eltern
ihren Nachwuchs versorgen.
- Etwa im
Juli unternehmen junge Fledermäuse ihre ersten Flüge.
Dabei können
sie
sich auch einmal in eine Wohnung verirren. Das ist kein
Grund zur
Aufregung; die Tierchen sind völlig harmlos. Öffnen
Sie einfach ein
Fenster über Nacht oder, wenn das Tier nicht bis
zum Fenster
klettern
kann, hängen Sie es abends hinaus an die Hauswand.
Das klingt
makaber?
Ist aber nicht so gemeint! Fledermäuse
ruhen aus,
indem sie
kopfunter
an den Krallen ihrer Hinterbeine
hängen. Genau
darum geht es.
Wenn Sie
die Fledermaus mit den
Hinterbeinen an die raue Hauswand
halten,
klammert sie sich von
selbst fest. Anschließend
wird sie
sich, manchmal
bis zu einer viertel
Stunde lang, mit Ultraschallauten ein
Bild ihrer
Umgebung machen.Erst
wenn sie ihre Umgebung genau genug
einschätzen
kann, fliegt sie los.
Transport
hilfsbedürftiger Wildtiere
Sollte es doch notwendig erscheinen, dass Sie
ein Tier mitnehmen, ist
folgendes zu beachten:- Das
Gefangenwerden und der Transport bedeutet für Wildtiere
großen Stress.
Deshalb dem Tier locker ein Tuch oder leichtes Kleidungsstück umlegen
oder - falls vorhanden - es in einen verschließbaren
Behälter setzen.
Solange es nichts von der Umgebung sieht, bleibt es ruhig.
- Besondere
Vorsicht ist geboten, wenn es sich um wehrhafte Tiere wie Greife
und
Eulen handelt. Ihre Verteidigungswaffen sind die
Füße,nicht
der
Schnabel! Achtung, wenn sich ein Greif auf den Rücken wirft! Dann will
er sich als letzte Verteidigungsmöglichkeit gegen Sie als vermeintlichen Angreifer mit Zuschlagen
wehren. Greifen und
Eulen (auch
Jungvögeln, egal wie niedlich sie aussehen) auf jeden Fall
etwas überwerfen
und dann die Beine mit festem Griff
über
den Füßen packen und während des
ganzen Transportes festhalten.
Abschluss
der Hilfsaktion
Bitte
experimentieren Sie nicht auf Kosten des Tieres herum, weil Sie so
hilfsbereit
sind und das Tier vielleicht ja sooo niedlich ist.
Die
beste Hilfe für das Tier ist, wenn Sie unverzüglich
zum Telefon greifen
und beim
nächsten
Tierschutzverein / Tierheim /
Tierarztpraxis
anrufen.
Dort erhalten Sie Auskunft,
wer als Spezialist/in
für die
betreffende
Tierart zuständig ist und das Tier übernehmen kann.
Selbstverständlich
ist es für eine solche Person eine große und
erfreuliche Hilfe,
wenn
Sie selbst mit dem verletzten Tier sofort zur Tierärztin / zum
Tierarzt
fahren und sie
es
dort abholen kann. Wildtiere werden im
allgemeinen
kostenlos versorgt.
Entscheidend
ist auf
jeden Fall, dass die Übergabe
so bald wie möglich geschieht.
Je
jünger
das Tier oder je schwerer verletzt es ist, desto rascher muss
sachkundig geholfen werden.
Hier kann eine Stunde
(oder
weniger) über Leben und Tod entscheiden.
Füchse
in Not, Frau Grümer, Tel. 02305 -
6426 und
6427
Fledermaus-Hilfe,
Frau Devrient
Tel. 02301 - 7921
Fleder-Haus
Notfall
-Telefon: 0179 - 4972995
Rehkitznotdienst,
Frau Riewesell, Tel. 04171 - 72161
Igel-Hotline:
Tel. 0180 - 55559551
Dort
gibt es ein
Adressenverzeichnis der Igelstationen und Igel-Schutzvereine
Wildvogel - Pflegestation Kirchwald
mit Igelstation, Tel. 02651 - 3971
Allgemeine
Hilfe
für verletzte Wildtiere:
Vogel-
und Wildtierpflegestation Gut Dülnhof Tel. 05725
- 708730
Bio-Top
e.V.
Arbeitsgemeinschaft für wildlebende Tiere
Frau
Bütehorn, Tel. 06074 - 93255
NABU
Naturschutzbund Deutschland e.V., Tel. 0221 - 7902889
BUND
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Tel.
0228 -
40097-14
Kreisjägerschaften
KJS
Kurköln zu Olpe, Herr Hubertus Bille, Tel. 02721
- 970120
KJS
Siegerland-Wittgenstein e.V., Herr Frank Siebet, Tel.
02736 - 6390